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Vorbemerkung zur Historie

Während Nieder-Kainsbach schon in früher Zeit zu einem Teil als Lehen an die Grafen von Erbach gegeben wurde und der andere Teil des Dorfes an die Landgrafen zu Darmstadt fiel, gehörten doch beide Teile des Ortes zum Kirchspiel Brensbach und wesentliche Teile zur Zent Groß-Umstadt.
Damit waren politische und geographische Gegebenheiten halbwegs im Einklang und dem Gersprenztal zugewandt. Der Weg der Bewohner zur Kirche und zu ihrer Verwaltung hielt sich in Grenzen.

Die Dörfer Stierbach, nur wenige Meter entfernt von Nieder-Kainsbach, Affhöllerbach und Kilsbach, jeweils auch nur einige hundert Meter entfernt, nahmen hingegen bis 1806 eine absolute Randlage ein.
Obwohl alle drei Dörfer auch zum Gersprenztal hin liegen, waren sie aufgrund der Zugehörigkeit zur Zent Kirchbrombach und durch den Besitz der Grafen von Wertheim weit entfernt von Kirche und Verwaltung.
Der sonntägliche Gang zur Kirche nach Kirchbrombach über die Böllsteiner Höhe war - zumal im Winter - schon beschwerlich, der Weg zum Amtssitz nach Breuberg mit über drei Stunden Fußmarsch ausgesprochen weit. Jedoch lag die Residenz Wertheim für damalige Verhältnisse in ungeheuerer Entfernung.

Die Geschichte von Stierbach und Affhöllerbach scheint in der weiter zurückliegenden Vergangenheit eng verknüpft zu sein. So werden 1551 sämtliche fünf Besitzer der 1½ Stierbacher Huben als "wohnhaft zu Affhoellerbach" bezeichnet.
Obwohl die Analen zu Stierbach häufig schweigen, kann wohl davon ausgegangen werden, dass die Dörfer Stierbach und Affhöllerbach - auch aufgrund der gemeinsamen Zugehörigkeit über Jahrhunderte zur Zent Kirchbrombach - annähernd das gleiche Schicksal geteilt haben dürften.

Weitere Informationen

Historie von Nieder-KainsbachBurg Breuberg
Historische Urkunden und KartenSchloss Fürstenau
Dorfchronik von Nieder-KainsbachSchloss Lichtenberg

Chronik von Stierbach

1439

Erste namentliche Erwähnung "in der Stierbach" im Lehensbrief für Hans Gans von Otzberg und Nauses von Graf Johann von Wertheim.
Die Grafen von Wertheim, die Grafen von Löwenstein und die Grafen von Erbach, besoldeten die in ihren Diensten stehenden Vasallen mit Einkünften aus Dorf- und Weilersiedlungen. Mit Einkünften aus Affhöllerbach, Kilsbach und Stierbach waren die Gans von Otzberg ab 1439 über Generationen, bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1694 beliehen.

1454

Erste urkundliche Erwähnung im "Gansischer Lehensbrief".

1551

Das Dorf besteht aus 1½ Huben und deren fünf Besitzer.

1556

Nach dem Aussterben der Wertheimer Grafen im Jahr 1556 gelangte auch die Zent Kirchbrombach schließlich auf dem Erbweg 1598 an die Grafen von Löwenstein.

1598

Entsteht das Kondominat, die Gemeinherrschaft Breuberg, die je zur Hälfte von den Grafen von Löwenstein und den Grafen von Erbach ausgeübt wird.
Stierbach muss Pacht und Zins jeweils zur Hälfte an die Grafen von Löwenstein und an die Grafen von Erbach-Fürstenau abgeben. Der Zehnte (klein und groß) geht jedoch in drei Teile, so dass Löwenstein die Hälfte, Erbach-Fürstenau und Erbach-Schönberg je ein Viertel erhalten.
Der kleine Zehnt waren Hackfrüchte (Kraut, Rüben, Flachs, Mohn usw.); der große Zehnt bestand aus Getreide (Hafer, Roggen, Gerste usw.).

1605

Im Leibsbeeteverzeichnis von 1605 werden noch drei Besitzer erwähnt, wobei aber wohl nahezu alle Bewohner dem 30-jährigen Krieg zum Opfer gefallen sein müssen.

1637

Denn im Verzeichnis von 1637 wird nur noch Lenche Friedrich als einziger Bewohner geführt.

1806

Mit Gründung des Großherzogtums Hessen im Jahre 1806 wurden alle früheren Grundbesitzrechte aufgelöst und Stierbach samt der Grafschaft Erbach nach Hessen eingegliedert.

1829

Das Dorf zählt 118 Einwohner.

1972

Stierbach wird Ortsteil der Gemeinde Brensbach

Quelle: Hans Ulrich Colmar

Die Stierbacher Mühle

Die Stierbacher Mühle scheint zwischen 1426 und 1439 gebaut worden zu sein, da im Zinsbuch der Herrschaft Breuberg von 1426 auf Seite 166 unter "Gersprenz" ein Vertrag zwischen dem Grafen von Wertheim und dem Müller Claus Morolff zu Niederkainsbach erwähnt wird, bei dem folgende Dörfer mahlen lassen sollen: Ober-Kainsbach, Böllstein, Affhöllerbach und die zwei Gersprenz.

Hätte die Stierbacher Mühle zu diesem Zeitpunkt (1426) also schon bestanden, hätten zumindest die Breuberger Dörfer Affhöllerbach, Böllstein und ganz besonders Ober-Kainsbach dort mahlen lassen müssen.
Unwahrscheinlich ist, dass die Ober-Kainsbacher an der Stierbacher Mühle vorbeifuhren und ihr Getreide in einem weiter entfernten und auch noch erbachischen Dorf zur Mühle brachten.

Aber bereits im Lehensbrief von Graf Johann zu Wertheim für Hans Gans vom 21. November 1439 wird erwähnt, dass dieser "drei kappen von der Molen in der Stierbach" (drei Kapaunen von der Stierbacher Mühle) zu beanspruchen habe.
Auch in sämtlichen folgenden Lehensbriefen und Lehensreversen bis zum Aussterben der Gans mit Johann Pleickhardt Ganz zu Ozberg im Jahr 1694 wird immer diese Mühlenabgabe erwähnt.
Interessanterweise ändert sich auch nach dem Heimfall des Lehens an die Gemeinherrschaft Breuberg nichts, denn noch im Zins- und Gültbuch des Affhöllerbacher Schultheißen Scior von 1808, also nachdem Stierbach bereits hessisch war, werden 1½ Kapaunen für die Fürsten zu Wertheim-Löwenstein und 1½ Kapaunen für Grafen zu Erbach-Fürstenau, also insgesamt drei, als eine der Abgaben dieser Mühle neben anderen aufgeführt.
Diese Stabilität der Abgabe über fast 400 Jahre ist um so bemerkenswerter, als die übrigen Lasten im Lauf der Zeit Schwankungen unterworfen waren.

Der erste namentlich fassbare Müller von Stierbach begegnet uns im Leibsbeeteverzeichnis von 1605, wo als pfälzischer Leibeigener Leonhard Arreß (Arras) mit seiner Frau Barb und den Kindern Peter, Margaretha und Eva genannt wird.
Vermutlich hat diese Familie den 30-jährigen Krieg nicht überlebt, denn nach dieser Katastrophe wird als erster Wiederbewohner und Inhaber der 1½ Stierbacher Huben Stoffel (Christoph) Reeg genannt. Nach dem frühen Tod seines Sohnes Leonhard (1662 - 1711) verheiratet sich dessen aus Langenbrombach stammende Witwe Anna Maria Reeg, geb. Reeg (geb. 1664) im Jahr 1714 mit dem als Müller bezeichneten Peter Liegenböhl (1665 - 1720).

Erst nach Peter Liegenböhls mühsamer Aufbauarbeit beginnt sich das Mühlrad 1716 wieder zu drehen. Nach nur vierjährigem Mühlenbetrieb stirbt Peter Liegenbühl 1720; seine Stieftochter Eva Catharina Reeg heiratet 1721 den aus Affhöllerbach stammenden Johann Adam Fornoff I., der die Mühle weiter betreibt.

Bis ins 20. Jahrhundert besteht die Stierbacher Mühle, wird dann allerdings stillgelegt und zum Teil in eine Gaststätte umgebaut.

Quelle: Hans Ulrich Colmar

Ausbau des Weges von Stierbach nach Nieder-Kainsbach
in den Jahren 1867 bis 1869

Der im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmende Verkehr durch das Kainsbachtal machte eine Erweiterung des bestehenden Straßen- und Wegenetzes erforderlich.

Dies war im Bereich Stierbach um so dringlicher, als infolge der alten Territorialgrenzen die Talstraße von Ober-Kainsbach bei den Haalhöfen nach Unter-Gersprenz abbog und eine direkte Verbindung von der Spreng nach Nieder-Kainsbach erst in den Jahren 1837/1841 geschaffen wurde.

Doch muss um die Jahrhundertmitte diese Straße den Verkehr schon nicht mehr bewältigt haben, da sich die Gemeinde Affhöllerbach mit Stierbach und Kilsbach in den sechziger Jahren zur Kapitalaufnahme entschließt, um den "Vicinalweg" von Stierbach nach Nieder-Kainsbach auszubauen.

So versammelt sich am 6. Februar 1867 unter dem Vorsitz des Großherzoglichen Bürgermeisters Scior aus Böllstein der Gemeinderat von Affhöllerbach, Stierbach und Kilsbach, um den Antrag an das Großherzogliche Kreisamt in Neustadt zu beschließen, der die Aufnahme von 1.100 Gulden ermöglicht. Die Genehmigung wird schon am 11. Februar erteilt.

Einen Geldgeber findet man in einem "Ortsbürger" von Niedernhausen und der Gemeindeeinnehmer für Affhöllerbach macht sich am 18. März auf den Weg nach Niedernhausen, wo er das Kapital gegen Quittung in Empfang nimmt. Die Tatsache, dass Kommunen bei Privatpersonen Geld liehen, war nichts Ungewöhnliches.

Allerdings hatte sich in der Sitzung des Gemeinderates am 9. März 1867 herausgestellt, dass der Betrag von 1.100 Gulden die Kosten des Wegbaus nicht deckte, da nur die Kosten für den Ankauf des Geländes und die Entschädigung für Bäume damit bestritten werden konnten.

Für die Planier- und Chaussierarbeiten sowie für die Steinlieferungen, die in den nächsten Tagen beginnen sollten, waren weitere 569 Gulden erforderlich, deren Aufnahme vom Kreisamt Neustadt am 19. März genehmigt wurde.

Die Bauarbeiten scheinen sich über zwei Jahre erstreckt zu haben, denn am 20. März 1869 stellt der Gemeinderat erneut fest, dass die Mittel zum Ausbau des Vicinalwegs nicht ausreichen, so dass noch einmal 400 Gulden aufgenommen werden müssen. Das Kreisamt stimmt am 27. März auch diesmal wieder zu, um den Bau des Weges zu vollenden.

Quelle: Hans Ulrich Colmar
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