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Gerhard Albert
Im Herz die an Fanconi-Anämie erkrankten Kinder ist die Strecke das Ziel
Als Gerhard Albert 1990 das Rauchen aufgab veränderte sich sein Leben. Er begann stattdessen mit dem Laufen und ersetzte eine Sucht durch eine Andere, wie er heute augenzwinkernd zugibt.
Der Entschluss mit dem Rauchen aufzuhören kam für den 1949 in der Nähe von Aschaffenburg geborenen Albert ganz plötzlich während einer Inspektion auf einer Baustelle. Und schon wenige Wochen später wurde ihm bewusst, dass er Sport zu treiben hatte, denn sein Gewicht kletterte unaufhörlich. Direkt vor seiner Haustür befand sich damals ein Wald und er fing an zu laufen, zunächst nur ein paar Meter, denn die Lungen streikten und der konditionslose Körper wollte bald nicht mehr. Doch immer wieder, wenn es nicht mehr gehen wollte, trieb er sich an und es ging weiter, mehr schlecht als recht, aber es ging weiter, blickt er heute amüsiert zurück.
Denn heute, 18 Jahre später, läuft er 24- oder 48-Stunden-Läufe und kann sich ein Leben ohne das Laufen nicht mehr vorstellen. Das Laufen hat ihm nicht nur sehr viel Freude, sondern auch viele Freunde rund um den ganzen Erdball beschert. Überdies - so erzählt der seit einigen Jahren in Nieder-Kainsbach lebende Gerhard Albert - habe das Laufen zu seiner Selbstfindung beigetragen. Während er früher oftmals an sich selbst zweifelte, ist sein Kopf heute frei für neue Aufgaben und Herausforderungen. Geist und Körper im Einklang zu halten, tief in sich selbst hinabzutauchen, und eins zu werden mit dem Lauf, löst nicht nur pure Glücksgefühle aus. Denn auch an die eigenen psychischen und physischen Grenzen zu stoßen und diese doch zu überwinden sind Erfahrungen, die mentale Sicherheit und Kraft verleihen.
Er schloss sich damals dem TV Goldbach an und lief fast alle kürzeren Strecken bis 20 km Länge. Doch sehr bald befriedigten ihn diese Strecken nicht mehr und er begann für die Marathondistanz zu trainieren. Seinen ersten Marathon lief er in Frankfurt und allein das Bewusstsein dabei zu sein machte mich stolz und lies beim Anblick des Starterfeldes den Adrenalinspiegel steigen, blickt er zurück. |  Gerhard Albert beim Deutschlandlauf 2007 |
Bis zum 30. Kilometer ging alles gut, doch drei Kilometer später hatte ich einen Müdigkeitseinbruch, der mich zweifeln lies. Aber wie damals im Wald vor meiner Haustür trieb ich mich auch dieses Mal an und es ging weiter, immer weiter. Als ich ins Ziel gelangte, erlebte ich Glücksgefühle, wie niemals zuvor und eine unbegreifliche Zufriedenheit und unendliche Dankbarkeit breiteten sich in mir aus.
Es folgten City-Marathons in Deutschland und Europa, und bedingt durch berufliche Auslandsaufenthalte auch in Asien. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland und etlichen weiteren Marathonläufen stieg er jedoch auf den Ultralauf um. Und damit tat sich für ihn eine neue Dimension auf, die ihn noch mehr fesselte, als alle übrigen Distanzen, die er bisher gelaufen war.
Denn die Ultramarathondistanzen beginnen erst jenseits von 42,195 km, dort wo die Marathonstrecken enden. Bei seinem ersten Ultralauf mit "nur" 50 Kilometer Länge in Rodgau, der nicht in Wohnbereichen oder auf Highways von Großstädten stattfand, machte er eine ganz neue Erfahrung. Zum ersten Mal lief er eine solche Distanz in fast unberührter Natur, ohne Abgase und Lärm. Bei völlig klarem, freiem Kopf und eins mit seinem Köper, dem unendlich scheinenden Lauf und der umgebenden Natur nimmt man plötzlich Details wahr, die einem vorher verborgen geblieben sind. Während eines solchen Laufes kann man durchaus zu tiefgründigen Einsichten und nackten Wahrheiten gelangen, erzählt Gerhard Albert begeistert und man merkt, dass ihn der Zauber des Ultramarathons bis heute nicht mehr losgelassen hat.
Während den Läufen unterstützt ihn seine Frau Marianne, die dann die Organisation übernimmt, auf strikte Einhaltung des Ernährungsplans achtet und ihm vor allem moralischen Halt gibt. Deshalb zwangen ihn nur ganz, ganz selten gesundheitliche Probleme zur Aufgabe.
Wenn er in Rente ist, möchte er sich seinen großen Traum erfüllen, von Alaska bis San Diego zu laufen und auf die Frage was er nach dem Gewinn von einer Million Euro machen würde, antwortet er spontan "Einmal um die Welt laufen".
Gerhard Albert hat allerdings noch einen anderen Wunsch mit sehr ernstem Hintergrund, den er gerne erfüllt sehen würde: Dass nämlich an Fanconi-Anämie erkrankten Kindern geholfen werden kann. Er stellt deshalb seit 2004 alle seine Läufe unter das Motto "Ich laufe für an Fanconi-Anämie erkrankte Kinder", sensibilisiert Medien und die Öffentlichkeit für diese Krankheit und sammelt Spenden, um damit unheilbar erkrankte Kinder und deren Familien zu unterstützen. Es gibt nur wenige wirksame Medikamente gegen diese schreckliche Krankheit und bisher keine Heilmethoden, denn die Erforschung dieser Krankheit und die Bereitstellung von Medikamenten gegen deren Symptome sind für die Pharmaindustrie nicht gewinnbringend.
Die wenigen Institute in Deutschland und der Welt, die Forschung auf diesem Gebiet betreiben, werden fast ausschließlich durch Spendengelder finanziert. Die Eltern von erkrankten Kindern und befreundete Familien haben sich deshalb zum Aktionskreis Fanconi-Anämie e.V. zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, den Kindern und deren Familien zu helfen, Erfahrungen auszutauschen und den Betroffenen das Leben zu erleichtern. Ebenso soll die Suche nach Diagnostik- und Therapiemethoden gefördert werden. Gerhard Albert bittet deshalb um eine Spende, damit den an Fanconi-Anämie erkrankten Kindern ein lebenswertes Leben ermöglicht werden kann.
4.1.2008
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Deutschlandlauf - 1205 km quer durch Deutschland
Gerhard Albert berichtet über seine Teilnahme am Deutschlandlauf 2007
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Nach einer mehrstündigen Fahrt nehmen wir nun am Samstagnachmittag in einer Schulturnhalle in Stralsund auf Rügen Quartier. Bereits 2005 hatten wir hier übernachtet und so werden wir mit großem Hallo empfangen, denn die meisten Teilnehmer kenne ich schon seit vielen Jahren. Ein herzlicher Empfang auch von Ingo und seiner Frau Inge, unseren Organisatoren, die jeden Läufer einzeln begrüßen. Das Wochenende vergeht bei verschiedenen Medienterminen schnell und nach einem Frühstück und Busfahrt zum Kap Arkona stehe ich jetzt am Start zum Deutschlandlauf 2007. Es ist Montag, der 10. September, kurz vor 9 Uhr und ich sehe die Strecke deutlich vor mir. 1205 km quer durch Deutschland, in 17 unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagesetappen von Stralsund nach Lörrach. Ich kenne die Strecke bereits, denn 2005 habe ich schon einmal am Deutschlandlauf teilgenommen und kenne buchstäblich Höhen und Tiefen, ich weiß um unsägliche Strapazen und unendliche Glücksgefühle. Die kürzeste Etappe beträgt knapp 52 km, die längste mit mehr als 93 km folgt bereits am dritten Tag.
|  Marianne Albert |
Doch die schwerste Etappe ist immer die nächste und so konzentriere ich mich auf den Start, der bei Regen und Wind erfolgt. Der Regen hält den ganzen Tag über an und wir laufen ständig gegen den Wind, der zeitweise Stärke sechs erreicht. Die Laufschuhe werden nass und trocknen am Fuß, um beim nächsten Schauer wieder durchnässt zu werden. Doch ich stehe am nächsten Morgen gegen vier Uhr zufrieden auf, frühstücke und bin um sechs Uhr am Start zur zweiten Etappe von Stralsund nach Stavenhagen. Das Wetter ist auch heute wieder regnerisch und stürmisch, doch das ist nicht das einzige Problem. Wir laufen auf Landes- bzw. Bundesstraßen, müssen auf den Straßenverkehr achten und werden nicht selten von Autofahrern in den Straßengraben geschickt. Hier einen Rhythmus zu finden ist extrem schwer.
Auch die dritte und vierte Etappe mussten so bewältigt werden, doch habe ich mich mittlerweile gut eingelaufen, was auch an meiner Platzierung abzulesen ist. Es läuft sehr gut und meine Betreuerin, meine Frau Marianne, tut ihr bestes. Die fünfte Etappe laufe ich in bester Stimmung, denn ich habe meine Leistung von 2005 bereits überboten und überdies hat sich meine Familie zu einem Kurzbesuch angekündigt. Nach einem harmonischen Abend mit der Familie gehe ich früh schlafen und bin am nächsten Morgen beim Start zur sechsten Etappe froh, dass sich das Wetter endlich gebessert hat.
Bei Sonnenschein laufe ich bereits seit etwa fünf Stunden und bin nun auf einen mit Sandsteinplatten gepflasterten Fahrradweg eingebogen, als es unvermittelt passiert. Ich stoße mit dem linken Fuß gegen eine höherstehende Platte, strauchele und komme schließlich zu Fall. Mit der linken Brustseite schlage ich hart auf die Sandsteinplatten auf und bleibe mit starken Schmerzen liegen. Ich kann kaum atmen, denn wie sich später herausstellt, sind mehrere Rippen gebrochen, doch im Verlauf von etwa 10 Minuten erhole ich mich einigermaßen und laufe unter höllischen Schmerzen weiter. Die nächsten vier Etappen laufe ich unter großen Schmerzen, jedoch will ich mein Ziel, in Lörrach einzulaufen, nicht aufgeben. Und wie damals als ich das Rauchen aufgab und mit dem Laufen begann, trieb ich mich an und es ging weiter, immer weiter, mehr schlecht als recht, aber es ging weiter. Mittlerweile waren wir in Unterfranken angekommen, die Thüringer Berge lagen hinter uns, ich habe mich mit meinen Schmerzen arrangiert und der Weg nach Lörrach scheint keine unüberwindlichen Probleme bereitzuhalten. So gehe ich optimistisch in die 11. Etappe, eine 87,7 km lange Strecke von Prosselsheim nach Assamstadt.
An diesem schönen Morgen haben Russel, ein Lauffreund aus den USA, und ich die erste Versorgungsstation bereits hinter uns gelassen als der Feldweg, auf dem wir gemeinsam laufen, immer schlechter wird. Wir plaudern über die aufgehende Sonne, die sich gerade über den Horizont erhebt, als ich mit meinem rechten Fuß in ein Schlagloch trete, mit dem Knie umknicke und einen stechenden Schmerz im rechten Oberschenkel spüre. Mir ist sofort klar, dass es sich um einen Muskelfaserriss handelt und welche Konsequenz das haben wird. Verzweiflung, Ärger und auch Wut auf mich selbst steigen in mir auf, während ich mich mit Hilfe meines Lauffreundes Joachim zum zweiten Versorgungspunkt schleppe. Dort muss ich den Deutschlandlauf nach 780 gelaufenen Kilometern verletzungsbedingt aufgeben. Eine große Enttäuschung nicht nur für mich, denn auch meine Frau Marianne hatte viel investiert, mich gut vorbereitet und betreut.
4.1.2008
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